Von den kleinen Bodenlebewesen und ihrer großen Bedeutung für unseren Planeten

In einer Handvoll gesunden Bodens gibt es unzählige Lebewesen. Diese Bodenlebewesen, und besonders die kleinsten unter ihnen, spielen eine größere Rolle für das Leben auf unserem Planeten, als viele von uns vermuten. Wenn wir heute über Klimawandel reden, denken wir an Lufttemperatur, Kohlenstoffverbindungen und Stickstoffverbindungen. Und genau da spielen die Bodenlebewesen eine völlig unterschätzte Rolle. Man kann sogar sagen, dass den Bodenlebewesen in Gemeinschaft mit den Pflanzen und Bäumen eine Schlüsselrolle beim Klimawandel zukommt. Wusstest du, dass der Boden ungefähr doppelt so viel Kohlenstoff und dreimal so viel Stickstoff enthält wie die Atmosphäre? Wusstest du, dass die Anzahl der Lebewesen im Boden die der oberirdischen Lebewesen um ein Vielfaches übersteigt? Weißt du auch wer da so lebt im Boden?

Bakterien
Zu den kleinsten Bodenlebewesen gehören die Bakterien. Obwohl sie so klein sind, machen sie doch den größten Anteil der Bodenlebewesen aus. Sie erledigen auch den Großteil der Arbeit im Boden. Sie verstoffwechseln zum Beispiel Kohlenstoff, Stickstoff und viele andere chemische Elemente… nur mit Plastik haben sie ein Problem 😉

Pilze, Mykorrhiza und Flechten
Die Pilze, ebenfalls kaum mit dem Auge zu erkennen und doch ein riesiger Anteil des Bodens, kümmern sich hauptsächlich um die Zersetzung organischen Materials, wie zum Beispiel um Totholz oder verholzte Pflanzenanteile. Außer den eigentlichen Bodenpilzen gibt es auch noch eine Zwischenform, die „Mykorrhiza„, die in Gemeinschaft mit Pflanzenwurzeln leben und unter anderem dafür sorgen, dass Luftstickstoff in für Pflanzen verwertbare Sickstoffverbindungen umgewandelt wird. Die Flechten, die Dinosaurier des Bodens, sind eine Art Vermittler zwischen Pilzen und Algen und ermöglichen beiden Arten ein Leben an Standorten, wo weder Pilze noch Algen allein überlebensfähig wären.

Einzeller und Vielzeller
Mit einer Größe von mehr als 0,1 Millimeter kommen die Einzeller und Vielzeller (zum Beispiel Geißeltierchen, Amöben, Wimpertierchen und Fadenwürmer etc.) langsam in den sichtbaren Bereich für das Auge des Menschen. Sie leben vor allem von Bakterien und Strahlenpilzen, daneben aber auch von abgestorbener organischer Substanz.

Milben, Springschwänze und Borstenwürmer
Milben, Springschwänze und kleine Borstenwürmer sind
etwa 1 Millimeter bis 1 Zentimeter groß. Sie ernähren sich überwiegend von toter organischer Substanz, scheiden sie zerkleinert aus und sorgen so dafür, dass „die Kleinen“ (also Bakterien & Co) das Material schneller zersetzen können.

Tausendfüßler, Spinnentiere, Insekten, (Mini-)skorpione, Schnecken und Regenwürmer
In die Kategorie von mehr als 1 Zentimeter fallen Tausendfüßler, Spinnentiere, Insekten, Schnecken und vor allem die Regenwürmer. Die Regenwürmer wühlen sich durch den Boden und verteilen dabei Bakterien und sorgen für die Belüftung und Befeuchtung des Bodens. Dabei nehmen sie abgestorbene Pflanzenteile und Mineralbestandteile des Bodens auf und zerkleinern das Material in ihrem Muskelmagen. Die Ausscheidungen der Regenwürmer sind bereits wertvolles Bodenmaterial in bester Krümelstruktur 🙂 , also Gärtnergold… Darüber hinaus sind die Regenwürmer auch eine Art Transportunternehmen – an ihnen haftet organische Substanz und Bakterien. Auf dem Weg der Regenwürmer durch verschiedene Bodenschichten wird die organische Substanz mit den Bakterien verteilt und damit für die dort ansässigen anderen Bodenlebewesen verfügbar gemacht.

Leider gibt es zum Zustand und der Zusammensetzung der Bodenlebewesen bislang nur sehr wenige Studien, aber bereits jetzt sprechen die Wissenschaftler auch bei Bodenlebewesen von Artensterben. Verantwortlich für das Artensterben ist sehr wahrscheinlich wieder einmal der Mensch, einhergehend mit Bodenversalzung, versauerung, -erosion, -verdichtung und -verschmutzung bzw. -vergiftung.

Die gute Nachricht ist: Wir können helfen! Als Gärtner gilt es sich nicht nur um das Wohl der Pflanzen sondern auch um das Wohl des Bodens zu kümmern. Letztlich ist der gesunde, lebendige Boden ohnehin die beste Grundlage für gesundes Pflanzenwachstum. Gesunder Boden entsteht durch Kompostierung, Gründüngung und Mulch. Wenn du mal ausprobieren willst, wie Abfall zu Humus wird und was da alles im Boden lebt, kannst du dir auch eine Wurmfarm zulegen. Wenn du dann noch auf eine schonende Bodenbearbeitung, Artenvielfalt und Vermeidung von Giften achtest, tust du nicht nur etwas für die Gesundheit deines Bodens und deiner Pflanzen sondern auch gegen das Insektensterben und den Klimawandel! Und, mindestens genauso wichtig, wenn du immer auch einen Teil deiner Fläche unbearbeitet lässt, hilft das auch. Die Natur ist und bleibt der beste Arzt des Bodens.

3 Gedanken zu “Von den kleinen Bodenlebewesen und ihrer großen Bedeutung für unseren Planeten

  1. Ich kenne Gärten, die trotz großer Fläche keinen Kompost haben. Gedüngt wird da nur mit reichlich Chemie. Dazu kommt dort dann noch Chemie der anderen Art, mit der man gegen jegliches Unkraut vorgeht. Wenn ich daran denke, was man dem Boden und all den Lebewesen, die darin stecken, auf Dauer damit antut… Schauderhaft!
    Es wäre schön, wenn mehr Menschen so denken würden wie du!
    LG Steffy

  2. Ein sehr guter Artikel, manches wusste ich schon und anders ist neu für mich. Wir alle sollten viel mehr im Rahmen unserer Möglichkeiten für die Umwelt tun und nicht auf die Politik warten.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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