Permakultur – nachhaltig gärtnern

Wenn ihr 3 Leute fragt, was denn eigentlich Permakultur ist, bekommt ihr wahrscheinlich auch 3 verschiedene Antworten. Schauen wir uns mal das Wort an: „Permakultur“ ist eine Zusammensetzung aus „permanent“ und „Kultur“. „Permanent“ bedeutet dauerhaft (oder auch nachhaltig) und die Wortbedeutung von „Kultur“ ist… alles vom Menschen Geschaffene.

Permakultur zielt nach Wikipedia auf die Etablierung von dauerhaft funktionierenden, nachhaltigen und naturnahen Kreisläufen. Die ursprünglich in der Landwirtschaft entwickelte Denkweise hat heute auch eine wirtschaftliche, soziale und politische Bedeutung, denn vieles ist auch in den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen wiederzufinden.  In meinem Artikel möchte ich mich allerdings auf die für den Garten relevanten Aspekte der Permakultur fokussieren.

Für den Permakultur-Garten gibt es drei Schlagwörter: Pflanzenvielfalt (Biodiversität), Naturdünger, Gesunderhaltung….

Pflanzenvielfalt: Mischkultur statt Monokultur

Es ist doch eine altbekannte Tatsache, dass sich ein Schädlingsbefall auf einem großen Feld mit ein und derselben Frucht quasi von allein einstellt. Ist doch logisch – wo es viel für Schädlinge zu fressen gibt, können  Schädlinge gut leben und sich vermehren. In der Mischkultur dagegen gibt es ein ziemliches „Kraut und Rüben“. – Wenn man genauer hinschaut, ist es allerdings eher eine gezielte Kombination verschiedener Pflanzen, die sich in ihrer Entwicklung ergänzen (z.B. Möhren und Zwiebeln, Rosen und Lavendel, Mais mit Bohnen und Kürbis). Allein durch die Mischkultur wird bereits ein guter Schutz gegen Schädlinge erreicht. Ein weiterer Vorteil ist, dass ausgewählte Pflanzenkombinationen sich auch in ihrem Nährstoffverbrauch ergänzen. So gibt es zum Beispiel „Sammler“ – Pflanzen, die Stickstoff aus der Luft aufnehmen und mit Hilfe von Bakterien an ihren Wurzeln diesen Stickstoff im Boden verfügbar machen können. Sogenannte „Mulcher“ – Pflanzen besitzen die Fähigkeit wichtige Nährstoffe wie Kalium und Phosphor mit ihren tief reichenden Wurzeln nach oben zu pumpen. Mulcher stellen diese Nährstoffe bei der Verrottung ihrer Blätter im Zuge des Winters den oberflächlichen Schichten des Bodens zur Verfügung. In der Monokultur kommt es hingegen zu einem einseitigen Verbrauch von Nährstoffen. Das hat auch Folgen für die natürlichen Kleinstlebewesen im Boden, die sich einseitig verändern und teilweise absterben. Auf Dauer führt Monokultur zur Bodenermüdung. Bodenermüdung und  Schädlingsplagen in größerem Ausmaß gibt es im Permakultur-Garten so gut wie niemals.

Naturdünger: Bodenernährung statt Kunstdünger

Funktioniert ein Gemüsegarten ohne Kunstdünger? Selbstverständlich. Der Tisch der Natur ist mit Nährstoffen reich gedeckt. Die Zauberworte heißen Kompost, Mulch, Jauchen & Brühen und tierischer Mist. Ich habe das große Glück, dass ich von einem lieben Nachbarn mit Pferdemist versorgt werde. Darüber hinaus füttere ich den Boden meines Gartens regelmäßig mit Kompost. Wenn es etwas gibt, von dem ich nicht genug bekommen kann, ist das eben genau Kompost. Ob Heckenschnitt, Rasenschnitt, Küchenabfälle oder Beikraut – alles wird bei mir  kompostiert. Manchen Menschen dauert es einfach zu lang bis der Kompost fertig ist. Hier trennen sich wahrscheinlich dann auch die Wege zwischen konventionellen Gärtnern und Permakultur-Gärtnern: Im Permakultur-Garten dauert es Jahre, bis alles richtig gut läuft. Keine Mega-Ernten auf einen Schlag. Man braucht viel Geduld.

Gesunderhaltung: Pflanzenkräftigung und Nützlinge statt Gift
Das dritte Kapitel in der Permakultur dreht sich um die Gesunderhaltung von Pflanzen, Boden und Bodenlebewesen. Die wichtigsten Voraussetzungen für gesunde Pflanzen sind eigentlich schon benannt: Vielfalt / Pflanzengemeinschaften und Bodenernährung. Aber es lohnt sich darüber hinaus noch zum Thema Nützlinge und natürliche Schädlingsbekämpfung Gedanken zu machen.  Tagetes (Studentenblume) und Ringelblume halten zum Beispiel Schädlinge wie bestimmte Nematoden fern. Jauchen und Brühen finden Anwendung bei Läusebefall (und zur allgemeinen Kräftigung). Und, wenn man mal ehrlich ist, ab und zu muss der eine oder andere Schädling auch mit der Hand abgesammelt werden und an ferner Stelle wieder an die frische Luft gesetzt werden. Dies gilt besonders für die Schnecken, wenn sie im Übermaß auftreten.

Langfristiges, nachhaltiges Wachstum statt kurzfristige Megaernte

Ich hatte es ja schon gesagt – bis ein Permakultur-Garten richtig gut läuft, vergeht viiiiieel Zeit. Permakultur bedeutet langfristig planen und kurzfristig auch einmal Enttäuschungen ertragen können. Man sagt bis alle Kreisläufe im Permakultur-Garten rund laufen, gehen schon einmal 10 Jahre ins Land. Aber dafür werdet ihr reich belohnt mit den vielen kleinen Wundern, die euch euer Garten auch bis dahin jedes Jahr schenken wird. Es gibt für mich keine schönere Entdeckungsreise als zu gucken was alles wächst (oft auch Pflanzen, die ich gar nicht ausgesät habe!) und welche Lebewesen bei mir zu Besuch kommen. Es summt und brummt, zwitschert und flattert jedes Jahr mehr, bis der ganze Boden mit den Pflanzen bedeckt ist, die den Garten zu einem dauerhaften Paradies machen, in dem immer weniger Arbeit durch euch und immer mehr Arbeit durch die Natur und eure freiwilligen Mitarbeiter geleistet wird!

Ein Gedanke zu “Permakultur – nachhaltig gärtnern

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.